Knut – eine echte schwedische Tradition und nicht nur Werbekampagne

Am Knutdagen, den 13. Januar, endet in Schweden, Finnland und Teilen Norwegens traditionell die Weihnachtszeit. An diesem Tag wird der Weihnachtsbaum feierlich geplündert und entsorgt, eine Tradition, die im 19. Jahrhundert entstanden ist. Ob man den Weihnachtsbaum vom Balkon aus hinunterwerfen darf? Das meiste was der schwedische Möbelriese in der Werbung erzählt, ist tatsächlich nicht erfunden.

Fangen wir von vorne an.

Knuts Tag

Knut hat in Schweden am 13. Januar Namenstag. Der Name stammt von den Heiligen Knut, ein dänischer Herzog, der am 07. Januar 1131 ermordet wurde. Sein Todestag war also ein Tag nach Heilige Drei Könige, der offizielle Tag an dem Weihnachten endet. Im 17. Jahrhundert wurde der Tag um eine Woche nach hinten verlegt. Der Hintergrund ist nicht ganz klar, aber früher hatte jede größere Kirchenfeier einen Oktav, eine „Nachfeier“ acht Tage später. In Schweden wurde diese Feier ein neuer Feiertag. Der Namenstag bekam ein neues Datum, damit er immer am das Ende der Weihnachtszeit lag.

Julgransplundring (Christbaum plündern)

Früher wurde das Ende der Weihnachtszeit mit einem großen Fest gefeiert. Bekannte und Nachbarn wurden eingeladen, es wurde um den Baum ein letztes Mal getanzt und die übrig gebliebenen Plätzchen und Süßigkeiten wurden aufgegessen.

Der Ausdruck Christbaum plündern kommt wahrscheinlich daher, dass der Schmuck vom Baum heruntergenommen wurde. Früher war der Baum mit Äpfeln und verschiedenen Bonbons dekoriert. Nachdem man um den Baum getanzt hatte, wurde der essbare Weihnachtsschmuck aufgeteilt und gegessen. Anderer Weihnachtsschmuck wird verpackt und in Kartons bis zum nächsten Weihnachten verstaut und das in Schweden übliche Lebkuchenhaus wird an diesem Tag geschlachtet und gegessen. Glück hat derjenige, der das Teil mit der meisten Schokolade bekommt.

Leider ist diese Tradition vom Aussterben bedroht. Manche Vereine oder Kirchen laden noch zu julgransplundring ein, aber privat wird es heutzutage kaum gefeiert. In den 50er und 60er Jahren war es eine weit verbreitete Tradition und es wurden richtige, schriftliche Einladungen rechtzeitig per Post verschickt.

Der Balkon und der Baum

Nein, du darfst nicht deinem nackten Christbaum vom Balkon herunterwerfen. Es ist strengst verboten und kann sehr teuer werden. In den Städten werden oft Container aufgestellt, dort werden die Christbäume gesammelt und später, meistens als Wärmeenergie, weiterverwendet.

Aber, vor ca. 50 Jahren, wurde tatsächlich oft der Baum über das Balkongeländer gehievt und fallen gelassen. Vorher hat man natürlich kontrolliert, dass niemand in der Nähe stand und die Sitte wurde auch nicht in Hochhäusern praktiziert. Der Grund war natürlich, dass man den nadelnden Baum nicht durch das Treppenhaus schleppen wollte. Sonst musste man nachher alles putzen. Zu der Zeit hatte man noch keine praktische Lösung für die Entsorgung der Bäume in den wachsenden Städten gefunden, heute ist es alles anders.

Manchmal kannst du auch heute Bäume auf den Straßen liegen sehen, aber das sind dann von den Kommunen ausgewiesene Sammelstellen und die Bäume wurden dorthin getragen. Genau wie in Deutschland.

Und wenn du Lust hast, kannst du Weihnachten mit einem Julgransplundring beenden. Viel Spaß beim Feiern!

CATEGORY: Kultur

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